Schafe (4): Beauty

Beauty wurde meine erste beste Schaffreundin. Und, solange sie lebte, das Leitschaf, mit Ziege als Vize. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, hat uns alle – Menschen, Schafe, Hunde – die erste Zeit mit den vieren, der regelmässige, individuelle Umgang miteinander, geprägt. In dem Stil ging es dann weiter.
Aber damals, als ich die ersten Schafe dazukaufte, wollten wir noch richtige Schafbauern werden, Lämmer von ihnen produzieren lassen und verkaufen, wie das hier so üblich ist. Zwei von den älteren zugekauften waren ziemlich nervõse Schafe und brauchten einige Zeit, um sich anzupassen. Aber auch sie lebten sich ein.

Auch als Beauty dann frei laufen durfte: wenn ich auf die Weide ging und mich irgendwo auf ihr hinsetzte, kam sie und legte sich neben mich, den kleinen (Hammele) im Schlepptau, der dann gerne seinen Kopf auf meinen Schoss legte.

So sah der Kleine dann ausgewachsen neben Beauty aus:
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Das Vertrauen zu denen, die sie regelmässig fütterten, ging zunächst durch den Magen, und bald frassen sie einem buchstäblich aus der Hand. Die Beziehung analog zu Lamm und Mutterschaf und vice versa. Aber das ist es nicht alleine. Wichtig ist auch Routine. Je grösser die Routine, um so sicherer fühlt sich ein Schaf. Je sicherer es sich fühlt, um so intelligenter verhält es sich.

Wenn man sich selbst noch ein bisschen wie ein Schaf benimmt, sich zu ihnen auf den Boden, oder auch nur auf eine Bank, setzt, wird man noch besser in die Schafgemeinschaft aufgenommen. Schafe haben Pupillen, die wie Querbalken aussehen. Sie sehen gut nach vorne und hinten, ihr Blickwinkel nach oben ist eingeschränkt. Es gab vor einigen Jahren eine wissenschafttliche Untersuchung, die fast Furore machte: Dass Schafe Gesichter ihrer Herdenmitglieder erkennen und noch nach Jahren erinnern können. Mir war das nicht neu. Dein Gesicht erkennen sie aber am besten, wenn du dich zu ihnen herablässt.

Beauty war ein stolzes und intelligentes Schaf, ausgeglichen und gelassen, zumindest, nachdem sie einige Zeit bei uns war. Wenn wir die Schafe zum Entwurmen und vor allem zum Entleberegeln, zum Hufe schneiden, Scheren und dergleichen Routinemassnahmen in den Hof holen mussten, war sie die erste, die dem Futtereimer hinterherlief. Die anderen folgten ihr. Hooker, dem es ums Rennen ging, mischte sich unter die Gruppe oder rannte voraus. Locke mit seinem Border-Collie-Treib-Instinkt hinter allen her.

Beauty hatte drei Lämmer bei uns. Grace von Hammele, das war geplant. Charme von Herkules. Da ging schon was ein wenig durcheinander. Und Jumper von Taurus. Das war ganz ungeplant und unerwartet. Da wollten wir eigentlich schon gar keine Lämmer mehr haben…

Beauty und Grace
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Beauty und Jumper
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Leider wurde sie nicht so alt, wie sie hätte werden können. Schafe sterben aus ganz verschiedenen Gründen. Am ätzendsten ist , wenn ein völlig gesundes Schaf auf den Rücken zu liegen kommt, und man nicht rechtzeitig hinkommt, um es aufzurichten, sondern es am Morgen tot so findet, die Augen nicht selten von Krähen schon ausgepickt. Es kommt aus der Rückenlage nicht alleine hoch und stirbt einen ganz und gar unstolzen Tod. So fanden wir Beauty, neben einem alten Wall, auf dem sie gelegen und wohl geschlafen hatte. Wälle sind schön trocken.

Schafe schlafen wenig, sie dösen viel, und entspannen sich beim Wiederkäuen. Richtig fest schlafen sie nur kurz, dann aber bekommen sie nichts um sich herum mit. Ihre Augen sind dabei häufig halb oder ganz offen, rollen etwas; und sie zucken mit Ohren und auch Beinen. Ein wenig wie Hunde manchmal. Aufgrund weiterer Ereignisse zu der Zeit, als Beauty starb, bin ich überzeugt, dass damals wieder mal ein Hund im Spiel war. Davon erzähle ich vielleicht später einmal.

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